Sagen, Erzählungen und Geschichten die unseren Ort betreffen.

Aus dem Mohlsdorfer Sagen- und Geschichtenbuch (Herausgeber: Heimat- und Geschichtsverein Mohlsdorf 2002)

Der Holzkohlebrenner von Reudnitz


      In Reudnitz wurde seit vielen Jahren Holzkohle gemeilert. Bis in die Jahre 1920 - 1930 rauchten die Meiler. Zwei Stellen sind in Reudnitz bekannt, bei Seifert/Malz und Tunger. Es war eine schwere Arbeit, da das Holz selbst im Wald gerodet und aufgerissen, das heißt gespalten und dann bis in den Ort gefahren werden mußte. Ungewöhnlich war es eigentlich, daß die Meilerei im Ort erfolgte. So ist auch bekannt, daß in Waldhaus Holzkohle hergestellt wurde. Meist oder fast immer erfolgte dies abseits von Wohnsiedlungen, da der zwar würzige aber meist beißende Rauch tagelang über der Gegend lag. Besonders war dies an windstillen Tagen eine Belästigung der umliegenden Einwohner.
      Die armlangen und teilweise bis armstarken Scheite und Äste wurden nun reihen- und schichtenweise zu einem Kegel aufgeschichtet. Dieser Kegel wurde mit Reisig und Erde, die mit den verbrannten Resten des Meilers vermischt wurde, abgedeckt. Nur oben blieb ein kleines Loch zum Abziehen des Rauches. Am Fuß des Meilers wurden rundum einige Löcher zum Anzünden des Feuers gelassen, die danach auch verschlossen wurden. So rauchte der Meiler nun einige Tage. Vor allem die ersten Tage waren gefährlich und der Meiler mußte ständig überwacht werden, damit er nicht abbrannte. Dann mußte sofort mit Wasser aus dem nahen Bach die Erdschicht gut durchfeuchtet werden, damit der Sauerstoff der Luft keinen Zutritt mehr hatte.
      Nachdem der Meiler gut durchgekohlt war, man erkannte das an der Farbe und Intensität des Rauches, wurde er aufgerissen und abgelöscht.
      Nach dem Abkühlen und Trocknen wurde die entstandene Holzkohle abgewogen und in Säcke gefüllt und mit dem Pferdefuhrwerk in die Städte und Dörfer geliefert. So wurden vor allem die Schützenfeste und Kirmesfeiern der Städte Greiz, Plauen, Reichenbach, Werdau und Zwickau beliefert. Aber auch die entstehende Industrie benötigte teilweise die Holzkohle.
 
Zu Bildseite: Meiler bei Heinrich Seifert
 
Der Mann auf dem Foto oben auf dem Meiler mit Hund (?) war der "Astels-Heinrich". Seinen Namen hat er von seiner Redewendung bekommen, die er immer benutzte. Wenn der Meiler aufgerichtet war und mit Reisig abgedeckt wurde, sagte er: "To noch a Astel und to noch a Astel". Und so hatte der Seiferts Heinrich mit seiner Molli seinen Namen "der Astels Heinrich" weg.

Astel Ast Zweig (siehe auch Zaunastel aus Rundholz oder mit Säge geteilt)
Quelle: Ortschronik Mohlsdorf R 3.1.78