Sagen, Erzählungen und Geschichten die unseren Ort betreffen.

Aus dem Mohlsdorfer Sagen- und Geschichtenbuch (Herausgeber: Heimat- und Geschichtsverein Mohlsdorf 2002)

Der "schwarze Tod"


      Im Jahre 1101 brach in Jerusalem die Pest aus und forderte große Opfer. Die Kreuzritter brachten sie mit nach Europa. Der Rechtsgelehrte Gabriel de Mussis aus Piaoenza berichtet folgendes: Die Tataren, als sie 1346 die Stadt Caffa (heute Feodosia) auf der Halbinsel Krim belagerten, schleuderten mit Wurfmaschinen Pestleichen in die Stadt, um sie schnell erobern zu können. Im Verlauf der Pestepidemie in Europa, im Jahre 1349, sollen 25 Millionen Menschen an der Pest gestorben sein. Der Erreger der Pest ist ein kleines Bakterium, welches im Jahre 1897 von Kitasato und Gersin nachgewiesen wurde. Eigentlich ist die Pest eine Krankheit der Nagetiere, in der Hauptsache der Ratten, die dann vom Rattenfloh übertragen wird. Wenn viele Tiere an der Pest sterben, befallen die Flöhe auch den Menschen, welche dann an der "Beulenpest" erkranken. Die Übertragung von Mensch zu Mensch löst die immer tödlich ausgehende "Lungenpest" aus. Zur Bekämpfung der Pest kannte man zur damaligen Zeit nur folgende Mittel: die Tore der Stadt wurden geschlossen, die Ärzte trugen Masken vor dem Gesicht, die Pesthäuser wurden mit Fähnchen gekennzeichnet, der Unrat und der Schmutz wurden von den Straßen beseitigt. Im vergangenen Jahrhundert waren Louis Pasteur und Robert Koch die Bahnbrecher auf dem Gebiet der Bakteriologie. Mit ihnen begann ein Kampf gegen das große Sterben. Nachdem der Erreger entdeckt war, fand man auch Mittel, sie zu vernichten. Als Grundprinzip galt die Sauberkeit in Stadt und Land. Kanalisationsanlagen wurden geschaffen, Abwasser und Trinkwasser wurden überwacht und nicht zuletzt wurde die Schutzimpfung eingeführt. Heute treten nur noch ganz vereinzelt Pesterkrankungen auf, meist bei den Menschen, welche sich einer Schutzimpfung entzogen haben. Zur Bekämpfung der Pest wurde eine internationale Seuchenabwehr ins Leben gerufen.
 
      Von unserer engeren Heimat hören wir das erste Mal von der Pest im Jahre 1348, und zwar nach dem großen Thüringer Erdbeben. Eine zweite Epidemie trat im Jahre 1625 auf, wo allein in Erfurt von 19.000 Einwohnern 3.600 an der Pest starben. In Greiz trat die Pest im Jahre 1683 bis 1684 auf und es wird berichtet, daß viele Einwohner von Greiz nach Herrmannsgrün und Grochlitz geflüchtet seien, um dem Pesttod zu entgehen.
 
      Von Schönfeld wird folgendes über die Pest berichtet (Aufzeichnungen von Büchner): "Zu dem Elend der damahligen Zeit gehöret aber auch noch dieses, daß damahls zugleich die Pest allhier stark grassiret. Solcher gestalt wurde nun diese Gegend mit einer doppelten Ruthe auf einmal von Gott gezüchtiget. Nachdem die Pest Anno 1633, den 4. September, in Reinsdorff den Anfang genommen hat, als eben damahls die Krieges-Flamme hierum hefftig wütete. In den Kirchenregistern dieses Kirchspiels, wozu auch das Ritter-Guth Schönfeld gehöret, habe ich damahls 226 Personen aufgezeichnet gefunden, so die Pest dahin gerissen, da dererselben sonsten nur 9 biss 14 ordentlich da zu sterben pflegten. Unter den damahligen Verstorbenen war auch zur selben Zeit Hanss Kluge, Schulmeister in Reinsdorff, welcher den 14. September selbigen Jahres mit seinem Weibe und 4 Kindern an Pest-Beulen umkommen. Anno 1634 aber ließ dieses Übel wieder etwas nach, wie denn unter den 19 Verstorbenen damahls nur 6 von der Pest dahin gerissen wurden. Doch Anno 1641 stellte es sich wieder ein, und war der Hofmannin Tochter Maria die erste Person, so an der Pest zu Waltersdorff den 13. Juli verstorben, welches hernach an noch 5 Personen gefolget sind. Da muß es gewiß auch betrübt anzusehen gewesen seyn, wenn die Kinder in den Häusern sind getaufet, und die Todten in Gärten und Höltzern sind begraben worden. Ja noch betrübter muß es gelassen haben, wenn Eltern selbst ihre Kinder und Ehegatten einander ohne fremde Hilffe mit Thränen und Hertzeleid haben müssen einscharren, wovon ich viele Exempel könnte beybringen, wenn es die Noth erforderte. Aber 1683, da in dieser Gegend herum die Pest viele Menschen hinweg nahm, und allein in der Stadt 202 Personen sind begraben worden, blieb dieser Ort ziemlich verschonet (24 Personen sind in der todten-Matricul verzeichnet). Hingegen spürte man dieselbe in Caselwitz gar nicht, allso damahls nur 4 Personen verstorben sind."
 
      In Mohlsdorf lesen wir 1633 von der Pest in Kirchenbüchern. Im Gottesgrüner Kirchenbuch ist folgendes eingetragen: "In diesem Jahr und Monath Aug. (gemeint ist das Jahr 1633) ist der Wohlehrwürdige Christianus Zechendorff, H. Georg Zechendorffs Sohn, der nach ihm allhier Priester worden, ebenfalls auch an der Pest gestorben. Und hat also in diesem Jahr allhier zu Herrmannsgrün, Gottesgrün und Reudnitz wie auch in allen umliegenden Städten und Dörfern die Pest stark grassieret."
 
      Im Herrmannsgrüner Kirchenbuch ist unter anderem folgender Eintrag zu lesen: "Augusti Walpurgis Jacob Rötels Weib zu Reudnitz ohne Leichpr. weil sie peste gestorben." Der Nachsatz: weil sie oder er peste gestorben, finden wir das öfteren wieder. Wir können daraus schließen, daß alle Pesttode ohne Pfarrer und Trauerleuten, in aller Stille beerdigt wurden, eine Maßnahme, zu verhindern, daß sich die Pest weiter ausbreitet.
      In vielen Gegenden, wo die Pest auftrat, gab es ein besonderes Leichentuch, welches über den Sarg gelegt wurde, das sogenannte "Pesttuch". Zu dieser Zeit wurde der Sarg mit einem Schleppwagen zum Friedhof gefahren und über den Sarg ein schwarzes Tuch gebreitet, da ja noch alle Verstorbenen zu Hause aufgebahrt wurden, entweder in der Waschküche oder in der Wohnung selbst. Ob im Ort Mohlsdorf ein "Pesttuch" vorhanden war, läßt sich nicht mehr feststellen. Auch die genaue Anzahl der Pesttoten läßt sich nicht ermitteln, da durch den Pesttod des Pfarrers Zechendorff das Kirchspiel Herrmannsgrün vom August 1633 bis Februar 1634 ohne Pfarrer war und deshalb keine Kirchenbucheintragungen gemacht wurden. Ein weiterer Eintrag im Gottesgrüner Kirchenbuch lautet: "Den 2. Augusti, einsdem Grosse Magd usw. peste, wie ihre Frau gestorben." Dies war der letzte Eintrag von Pfarrer Zechendorff.
 
      Wenn auch noch heute das Wort "Pest" uns einen Schrecken einjagt, so können wir doch beruhigt sein, denn durch einen umfassenden Gesundheitsschutz ist es heute gänzlich ausgeschlossen, daß sich solche Seuchen wie Pest, Cholera, Lepra und wie sie alle noch heißen, mit so großen, verheerenden Ausmaßen, solche Opfer fordern wie ehedem. Oberster Grundsatz zur Verhütung von Seuchen ist, wie schon anfangs erwähnt, die Sauberkeit.
 

Quellennachweis:
 
- "Geißel der Menschheit besiegt" von Dr. med. Klaus Neumeister, Kirchenbuch Herrmannsgrün vom Jahre 1606
- Reußischer Kalender 205. Jg. 1933, Seite 19 "Reußische Gedenktage" vor 250 Jahren
- Gottesgrüner Kirchenbuch
- Greizer Heimatkalender 1965, Geschichtliche Daten
- Die Geschichte der Rittergüter in Reuß ältere Linie von Herbert Hüllemann, Verlag Gustav Fischer, Jena 1939, Seite 478 (Büchner, Kommerstädt S. 78 84)