Sagen, Erzählungen und Geschichten die unseren Ort betreffen.

Aus dem Mohlsdorfer Sagen- und Geschichtenbuch (Herausgeber: Heimat- und Geschichtsverein Mohlsdorf 2002)

Wanderheuschrecken


      Eine unglaubliche Verwüstung wurde im Jahre 1693 durch einen Zug der Asiatischen Wanderheuschrecke in unserer Gegend verursacht. Diese Tiere sind in größeren Zügen, im ganzen vier Mal in unsere Gegend gekommen und zwar in den Jahren 852, 1445, 1613 und 1693. 1693 wurden Thüringen und das Vogtland am härtesten betroffen. Seit der Zeit sind diese Geschöpfe in diesen Massen nicht wieder zu uns gedrungen. Die Art und Weise ihrer Züge grenzt ans Unglaubliche. Wir erwähnen nur einige Umstände, wie sie im Jahre 1693 dabei stattfanden.
      Am 18. August kamen sie über Plauen herein im Vogtland an. Der von fern heranziehende Schwarm erschien wie große dunkle Wetterwolken am Himmel. Die Landschaft, über welche er hinwegzog, versank in Dämmerung, ja zuweilen in Nacht, je nachdem die Tiere in mehr oder weniger hohen Massen übereinander schwirrten. Die Fluren aber, auf welche sie sich niederließen, waren verloren.
      Die ganze Pflanzenwelt verschwand in wenigen Minuten, auch die Nadeln der Schwarzwaldungen blieben nicht verschont und, von Hunger dazu getrieben, wurden sogar Baumrinde und Holz ein Raub ihrer Gefräßigkeit. Sobald eine Flur geleert war, erhoben sie sich unter starkem Geräusch und warfen sich auf eine andere. Durchs Vogtland war der Zug in unglaublicher Dichtheit. Von hier wandte er sich nach Roda und breitete sich von da bis nach Weimar ungefähr vier Meilen aus.
      Von da aus zogen sie nach Thüringen und dort, ein bis zwei Fuß hoch aufeinandergeschichtet starben und verfaulten sie. Die Folge dieser Verfäulnis war eine verheerende Pest. Die Verwüstung durch die Heuschrecken rief eine große Hungersnot hervor.

Quelle: "Geschichte von Gera und dessen nächster Umgebung" von Ferdinand Hahn