Sagen, Erzählungen und Geschichten die unseren Ort betreffen.

Aus dem Mohlsdorfer Sagen- und Geschichtenbuch (Herausgeber: Heimat- und Geschichtsverein Mohlsdorf 2002)

Bombardierung 1945 in Mohlsdorf

Noch kein Schulkind, erlebte ich die letzten Kriegstage in der Hauptstraße - Adolf-Hitler-Str. - Hauptstr. - Straße der Einheit Nr. 28. Meist wurde Sirenenalarm gegeben, wenn sich Bombenabwürfe ankündigten. Aber damals, ich weiß nicht den Monat, nur das Jahr 1945, meine Mutter, mein Bruder und ich saßen in der Wohnküche, wurde es dunkel, lautes Geheule, gleichzeitig Alarm und, meine Mutter konnte sich noch auf uns Kinder werfen, flogen die Fensterscheiben ein, und herein kamen Teller, Tassen, Töpfe. Eine ungeheure Druckwelle der Bomben, die, drei Häuser weiter, diese zerstörten, nämlich das Baugeschäft Klein und unsere Schule, wo noch ein Tag vorher meine Mutter mithalf, die Strohsäcke zu stopfen für die Flüchtlinge, die kommen sollten. Nach dem ersten Schock flüchteten wir in unseren Keller, der als sehr sicher galt. Aber dann kamen erst meine Ängste, die ich nie mehr verlor, solange ich in dieser Wohnung lebte. Die Verwundeten von Mohlsdorf wurden in unseren Keller gebracht. Die Räume waren stickig, den Geruch der Verletzten wurde ich nie mehr los und das Wimmern erdrückte eine kleine Kinderseele. Ich betete, ich wollte ein Englein im Himmel werden. Die Erde war für ein fünfjähriges Kind nicht mehr lebenswert.
 
Bis zu meinem zwölften Lebensjahr wohnten wir in der Nr. 28, bis dahin ging ich nie allein in den Keller, möglichst gar nicht, der Geruch an die Bombennacht verlor sich nie.

Waltraud Friederike Rauh