Sagen, Erzählungen und Geschichten die unseren Ort betreffen.

Aus dem Mohlsdorfer Sagen- und Geschichtenbuch (Herausgeber: Heimat- und Geschichtsverein Mohlsdorf 2002)

Waldhaus


 
Daß er zu deiner Höh' mich führt,
Wo süße Ruh' das Herz verspürt
Im Waldesdom, der Stadt schon fern,
Das dank' dem moos'gen Pfad ich gern.
 
Die Waldesorgel Andacht spielt,
Die Seele edlen Frieden fühlt,
Sie folget gern dem sanften Ruf
Zu dem, der diese Stille schuf.
 
Bei Sonnenlicht, bei Mondenschein
Steh' ich im Walde gern allein.
Bald fangen die Gedanken dann
Ein zartes Netz zu weben an.
 
Wie? - hat mich nicht vor fünfzig Jahren
Die Mutter diesen Weg gefahren?
Nach Waldhaus waren stets wir lüstern.
 
Mit Eltern, Freunden und Geschwistern
Nach Waldhaus gehn an Festestagen,
In Waldhaus - ha! - Ein Fürstenschloß!
Und Fürstenkinder! - prächt'ger Troß!
 
Der Marstall fesselte den Knaben,
Wer solch ein Rößlein könnte haben!
Doch was es damals noch nicht gab:
Am stillen Ort ein Fürstengrab.
 
Als Jüngling hab ich's mit geweiht
Und drauf nach kurzer Spanne Zeit,
Da setzt der Fürst die Fürstin bei.
Nicht lang, da warn's der Särge zwei.
 
Das Herrscherpaar im Waldesschweigen.
Die Kinder und die Enkel reichen
Der Liebe Gaben trauerns dar,
Wo einst nur Lebensfreude war.
(Und jüngst trug man in's Waldkirchlein
den letzten Reußensproß hinein) 1927
 
O Waldhaus, unter deinen Bäumen
Laß mich noch manchen Sommer träumen.
O Heimatwald, o fächle du
Noch oft mir Ruh' und Frieden zu.
 

Greiz, Ostern 1914. Gotthold Roth.