Sagen, Erzählungen und Geschichten die unseren Ort betreffen.

Aus dem Mohlsdorfer Sagen- und Geschichtenbuch (Herausgeber: Heimat- und Geschichtsverein Mohlsdorf 2002)

Abschied von der alten Kirche

Abschiedsgedicht für die alte Kirche zu Herrmannsgrün ( 1889 )
 
Nun willst Du mich, mein Dörfchen, von Dir weisen,
Vielleicht wird gar des Maurers rauhe Hand
Mein ganzes Dasein aus den Fugen reißen,
Und lösen ein viel Hundertjähr`ges Band.
 
Als ich zu Dir kam, warst Du winzig klein,
Nur wenig Häuser nanntest Du Dein eigen,
Und unser trauliches Beisammensein
Ließ Dich mir Deine ganze Seele zeigen.
 
Wie oft trat durch die reichgeschmückten Türen
Ein junges Brautpaar voller Seligkeit,
Wie oft kamt Ihr, ein Kindlein zuzuführen
Dem ewig neuen Bund der Christenheit.
 
Und, ach, wie oft hab ich gebeugten Herzen,
Anheim gefallen der Verzweiflung schon,
Gespendet Trost durch meiner Glocken Ton,
In Wehmut umgewandelt ihre Schmerzen.
 
Auch manches Mal mußt ich Euch tief erschrecken,
Und Euer Haupt, das kaum die Ruhe fand,
Durch Feuerlärm aus süßem Schlafe wecken,
Zur Hilfe rufen Eure tät`ge Hand.
 
Doch uns`re Freundschaft blüte fort,
Wenn etwas die Gemüter Euch erregte,
Die liebe kleine Kirche war der Ort,
Wo jeder seine Sorgen niederlegte.
 
Bald ist nun alles aus, die Bäume rauschen
So ernst um mein bemoostes Schindeldach,
Nur ernst kann ich der Vöglein Sänge lauschen,
Die mit dem ersten Morgenstrahle wach.
 
Zu arm und dürftig bin ich Dir geworden,
Weil Du, mein Dörfchen, stolz gewachsen bist.
Nun willst Du, wie Du sah`st an andern Orten,
Ein Kirchlein, das Dir eine Zierde ist.
 
Du baust Dir nun ein schönes Gotteshaus,
Es möge Dir, wie ich den Frieden bringen,
Noch lange magst Du Gott in ihm lobsingen,
Und Jung und Alt zieh`n fröhlich ein und aus.
 
Nicht lange mehr soll meine Glocke schallen,
Dann bin zum Abschied ich von Dir bereit.
Das Neue siegt, es muß das Alte fallen:
Behüt Dich Gott in alle Ewigkeit !
 

Verfasser Unbekannt