Sagen, Erzählungen und Geschichten die unseren Ort betreffen.

Aus dem Mohlsdorfer Sagen- und Geschichtenbuch (Herausgeber: Heimat- und Geschichtsverein Mohlsdorf 2002)

Verse und Reime

Als ich einmal bei meiner Großmutter war, kniete sie vor dem dreistöckigen eisernen Ofen. Diese waren überhaupt viel praktischer als die heutigen, denn im "ersten Stock" wurde das Essen und der Kaffee gekocht, im "zweiten Stock" wurde das Essen und der Kaffee warm gehalten und im "dritten Stock" wurden die Pflaumen gedörrt, die man dann Backpflaumen nannte. Meine Großmutter legte zuerst die Böckle auf den Rost. Sie wurden jedes Jahr gesammelt, wenn sie schön aufgesprungen waren. Es sind die Kiefern- und Tannenzapfen. Auf die Böckle kamen dann Kienspäne und das wurde mit den Rennsteigzündhölzern angebrannt. Nun wollte aber das Feuer nicht so recht brennen und da sang meine Großmutter:
 
Feuerle, Feuerle, brenne,
morgen schlachten wir eine Henne,
übermorgen einen Gickerhahn,
da ist kein fetter Bissen dran.
 
Hätte meine gute alte Großmutter das Verschen nicht gesungen, wäre das Feuer bestimmt nicht angebrannt.
 
 
 
Mir hatte der Reim so gut gefallen, daß ich sie fragte, ob sie noch mehr kenne. "Aber freilich, mein Gung, horch' nur gut zu!"
 
Metschle, Metschle, Muh,
gib' mir deine Schuh'.
Morgen früh um neune
bekommst du ein Paar neue.
 
 
 
Weil meine Großmutter gerade Kaffee kochen wollte, es war natürlich selbst gebranntes Korn. Zum Rösten gab es dazu eigens eine kleine Röstmaschine, da sang sie folgendes:
 
Hans, zieh' die Kuh am Schwanz.
Zieh' sie hinters Ofenloch,
damit der Kaffee besser kocht.
 
 
 
"Nun will ich dir noch einen Vers sagen, aber laß' den ja nicht deinen Schulmeister hören!"
 
Eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs, sieben,
in der Schule wird geschrieben.
Eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs, sieben, acht,
in der Schule wird gelacht, bis der Lehrer bitsch, batsch macht.
Au, Herr Lehrer, das tat weh.
Morgen komm' ich nimmer meh.