Sagen, Erzählungen und Geschichten die unseren Ort betreffen.

Aus dem Mohlsdorfer Sagen- und Geschichtenbuch (Herausgeber: Heimat- und Geschichtsverein Mohlsdorf 2002)

Die Reiter in der Krümme


     Hinter dem "Roth" an der Straße nach Ida - Waldhaus liegt ein schönes, grünes Wiesental, die "Krümme" genannt, in dem sich drei schilfbewachsene Teiche, die "Krümmeteiche", aneinanderreihen. Dort hat vor vielen hundert Jahren einmal eine blutige Reiterschlacht stattgefunden und gar viele Reiter, die den Keulen- und Schwertschlägen entrinnen wollten, gerieten auf der Flucht mit ihren Rossen in diese Teiche, in welchen sie jämmerlich umkommen mußten.
      Einmal aber im Jahre, und zwar in der des Tages, an welchem dies vordem geschah, wird es in den "Krümmeteichen" und ihren Wiesen wieder lebendig. Dann rauscht es in den Wassern, das Schilf bewegt und biegt sich, dem Grunde der Teiche aber entsteigen lautlos fremdartig aussehende und gekleidete Gesellen auf mutigen und flinken Rossen, die sich an den Ufern der Teiche sammeln und in Reihen stellen. Mit verhängten Zügeln und vorgebeugtem Körper rasen dann diese Reiter in wilder Hast die Wiesen auf und nieder, daß die Leiber der Rosse dampfen und lange Flocken weißen Schaumes ihnen vom Zügel bis auf die Brust herabhängen. So jagen sie so lange hin und her, bis ihre Stunde sie ruft. Dann sprengen sie zurück in die Fluten, die hoch über ihnen zusammenschlagen und Roß und Reiter begraben. Während des Rittes aber stehen zu beiden Seiten der Teiche Wachen, die haben eine wie glimmendes Feuer funkelnde Rüstung an und sollen verhüten, daß die Reiter durch daherkommende Menschen gestört werden. Darum gelingt es auch in ganz seltenen Fällen nur einem Sterblichen, diesen schaurigen Ritt beobachten zu können. Wer ihn aber einmal gesehen hat, trägt kein Verlangen danach, ein zweites Mal Beobachter zu sein.
      Einmal mußte ein Mann aus Teichwolframsdorf den Weg an den Krümmeteichen vorbeigehen als es um Mitternacht war. Um Gesellschaft zu haben, schlug er seine Pfeife in Brand und qualmte in die Nacht hinein. Als er in die Nähe der Teiche kam, sah er mitten auf dem Wege etwas glänzen und glühen und er glaubte, es könne das ein im Dunkeln leuchtender Weidenstumpf sein, wie man deren bisweilen in Wiesen und Wäldern antrifft, und ging gerade auf ihn zu.
      Da stand aber, als er näher heran kam, auf dem Wege ein Kriegsmann, der trug einen blinkenden, gleißenden Harnisch, hatte Sporen an den Füßen und in den Händen einen langen Spieß. Er sah dem Manne drohend ins Gesicht, hieß ihn umkehren und rief ihm voll Ingrimm die Worte nach: "Hätt'st du nicht Feuer in deinem Mund, so wär' dies deine letzte Stund'!"

Aus "Sagen des Greizer Reußenlandes" von Hans Stockmann