Sagen, Erzählungen und Geschichten die unseren Ort betreffen.

Aus dem Mohlsdorfer Sagen- und Geschichtenbuch (Herausgeber: Heimat- und Geschichtsverein Mohlsdorf 2002)

Sitten und Bräuche Trauerzug

Bis in die Jahre um 1960 war es noch üblich, die Toten im Haus aufzubahren. So wurde der Sarg meistens im Hausflur aufgestellt und geschmückt. Die Familienmitglieder und Freunde gaben hier schon die letzte Ehre dem Toten.
So erfolgte auch von hier der Trauerzug durch den Ort zum Friedhof, wo dann die Beerdigung erfolgte. Mit dem schwarzen Leichenwagen, der so wie ein alter Bauernschrank mit Pfosten, Fenstern und Füllungen aussah und innen mit Gardinen und Vorhängen ausgestattet war, wurden die Toten abgeholt. Viele Jahre versah der Bauer Otto Haase die Spanndienste mit seinen Pferden. Bei ihm mußten immer das Zaumzeug, die Pferdehufe und seine Stiefel bestens gepflegt sein und im neuen Fett glänzen. Auch sein schwarzer Lodenmantel wurde immer gebürstet. Den Pferden wurde eine schwarze Decke mit Trauersymbolen übergelegt.
Wurde nun der Sarg aus dem Hause getragen, erfolgte über der Haustürschwelle ein kleiner Stopp. Dabei verneigten sich die Träger mit dem Sarg dreimal und die Seele des Toden sollte Abschied vom Haus nehmen.
Nun erfolgte der Trauermarsch durch den Ort. Zuerst fuhr der Wagen, dann folgte der Kreuzträger, die Angehörigen und anschließend die Trauergäste.
Auf der Straße blieben die Passanten stehen und ließen den Zug vorbeiziehen. Undenkbar war es, daß Unbeteiligte auf dem Bürgersteig in Richtung des Zuges mitgingen. Das sollte Unglück über die Familie des Passanten bringen. So blieb man am Straßenrand stehen und ließ den Zug vorbeiziehen. Männer zogen dabei ihre Kopfbedeckung und brachten damit ihre Ehrerbietung dar.
 
Stationiert war dieser Leichenwagen in einem Schuppen, der unmittelbar neben der Herrmannsgrüner Pfarre an der Kalkstraße stand.
Da auch Leichen vom Greizer Krankenhaus oder aus Kahmer, Gottesgrün und Reudnitz abgeholt werden mußten und diese Fahrten längere Zeit brauchte, wurden sie oft in der Nacht durchgeführt, um am Tage die normalen Arbeiten auf dem Feld erledigen zu können.
Auch gibt es Geschichten, bei denen man trotz des Ernstes schmunzeln muß. So ist bei Fahrten aus Gottesgrün öfters passiert, daß Pammlers Else, die Wirtin des Gottesgrüner Gasthofes, Kutscher und Leichenträger zu einem Schnaps eingeladen hat in der Hoffnung, daß diese auf den Geschmack kommen und eine Zeche bei ihr machten. So kam es vor, daß die Träger, die nicht gerade nüchtern waren, im Wagen neben der Leiche im Sarg in angeregter Stimmung mit nach Mohlsdorf fuhren. Oder ein anderes mal erhielten der Fahrer und die vier Leichenträger einen Schnaps, ein Gläschen für fünf Mann, von einem Angehörigen in Reudnitz in der Burg, weil es ziemlich kalt an diesem Tag war. Nachdem der Fahrer Otto Haase abgelehnt hatte, teilten sich die restlichen vier diesen Schluck.
 
Als der Leichentransport mit diesem Wagen eingestellt und von Autos übernommen wurde, zerlegte man diesen. So sollte (Henry Chruschwitz nur Information für spätere Zeit) damit im Jägerhaus von Herrmannsgrün ein Zimmer damit ausgeschlagen worden sein.
(Martha Chruschwitz, die Mutter von Henry, war über viele Jahre die Leichenfrau von Mohlsdorf und hat die Toten zur Beerdigung gerichtet und geschmückt.)
 
 
 
Leichenträger über lange Zeit waren:
Hohmuth, Gotthold
Ditscherlein, Ernst (Gotthold)
Sporn, Franz (Wirt von der Turnhalle, die an der Stelle der jetzigen Gemeindeverwaltung stand. Die Wirtsräume sind die Räume der jetzigen Gemeindeverwaltung.)
Buchold, Willi

Gerd Richter