Sagen, Erzählungen und Geschichten die unseren Ort betreffen.

Aus dem Mohlsdorfer Sagen- und Geschichtenbuch (Herausgeber: Heimat- und Geschichtsverein Mohlsdorf 2002)

Sitten und Bräuche Osterwasser

Zur Osterzeit konnte man vereinzelt beobachten, daß sich junge Mädchen und Burschen, aber auch "Alte", am Ostersamstag verstohlen nach dem Schlötenbach schlichen, um Osterwasser zu holen. Schlag Mitternacht schöpften sie dann mit einer Flasche das sogenannte "Osterwasser" und nahmen es seiner Heilkraft wegen mit nach Hause. Die jungen Leute waren der Meinung, daß sie sich durch das Wasser die Liebe eines Menschen erwerben können, wenn sie ihm davon zu trinken geben. Man ließ sich davon leiten, in der Zeit das Wasser zu holen, wo die Natur sich mit neuen Kräften zu neuer Entfaltung rüstet und das Wasser, als wichtigstes Lebenselement, eben diese neuen Kräfte mit enthalten solle. Geschöpft wurde es auch in Mohlsdorf aus einem kleinen Bächlein, eigentlich ein Graben, der aus den Wiesen unterhalb der Schiller- und Goethestraße floß und sich nach der Querung des Mühlbergweges in den Aubach ergoß. In den Jahren um 1950/60 war dieses Bächlein noch so sauber, daß darin Brunnenkresse wuchs. Auch durfte, wenn das Osterwasser geholt wurde, kein Sterbenswörtchen gesprochen werden bis man wieder zu Hause angekommen war. Wie meine Großmutter, die Neudecks Jenny erzählte, mußte das Wasser bis zum ersten Sonnenstrahl geschöpft werden, um seine Wirkung zu erhalten und vor allem mußte fest daran geglaubt werden.