Sagen, Erzählungen und Geschichten die unseren Ort betreffen.

Aus dem Mohlsdorfer Sagen- und Geschichtenbuch (Herausgeber: Heimat- und Geschichtsverein Mohlsdorf 2002)

Der verschwundene Schulranzen


      Wir wohnten mit unseren Schwiegereltern in einem Zwei-Familien-Haus. Im Oktober des Jahres 1978, unsere Tochter war 15 Jahre alt, fuhren meine Schwiegereltern nach Oberhof in den Urlaub. Sie hatten für den Tag der Abreise ein Taxi bestellt, welches sie bis nach Oberhof bringen sollte. Mein Schwiegervater hatte alle Gepäckstücke bereits in den Hausflur gestellt und als der Taxifahrer kam, sagte er: "Sie können hier alles schon einpacken. Wir ziehen uns nur noch an und kommen sofort." Der Taxifahrer tat wie ihm geheißen, packte alles ein, was urlaubs- und taschenmäßig aussah und alsbald ging die Fahrt los. Ich war inzwischen auf Arbeit als mich meine Tochter anrief. "Mutti, ich finde meinen Schulranzen und den Turnbeutel nicht! Was mach´ ich denn jetzt?" Ich erfaßte sofort die Situation und konnte mir sofort denken, was passiert war. Ich lachte und lachte. Meine Tochter wurde wütend. "Du lachst und ich weiß nicht, was ich tun soll! Ruf´ doch bitte in der Schule an und entschuldige mich!" Ich lehnte dies ab und erklärte ihr, daß wahrscheinlich ihre Schulsachen im Taxi nach Oberhof unterwegs waren. In der Schule sollte sie ihrem Klassenlehrer erklären, was passiert war.
      Der Klassenlehrer ließ sich diese Geschichte zweimal erzählen - im Hintergrund feixte die ganze Klasse - und er glaubte es immer noch nicht. Am Abend kam der Taxifahrer und brachte den Ranzen und den Turnbeutel zurück. Er erzählte uns, daß die Großeltern beim Auspacken vor dem Hotel die Bescherung gesehen und ihn gebeten hatten, die Sachen zurückzubringen. Das Unglück war dadurch passiert, weil unsere Tochter jeden Abend bereits ihre Schulsachen in den Hausflur stellt. Auch haben wir gleich am nächsten Tag den Klassenlehrer aufgeklärt. Es war noch lange Gesprächsstoff in unserer Familie. Heute nun wohnen meine zwei Enkel mit im Haus und auch sie stellen abends schon ihre Schulsachen in den Hausflur.

Aufgeschrieben am 10. Mai 2001 von I. Seifert, Mohlsdorf