Sagen, Erzählungen und Geschichten die unseren Ort betreffen.

Aus dem Mohlsdorfer Sagen- und Geschichtenbuch (Herausgeber: Heimat- und Geschichtsverein Mohlsdorf 2002)

Geschichten um Mohlsdorfer Original "Eduard Lorenz"


      Er war zu Neckereien und Streichen immer aufgelegt und konnte die Leute mit seinen Geschichten bestens unterhalten. Aus diesem Grund war er auch in den Gaststätten gern gesehen, weil er das Publikum unterhielt und dadurch oft freigehalten wurde.
 
      Eines Tages war er in Brunnkätzels Lokalitäten. Weil er zu lange schon von zu Hause fort war, suchte seine Frau ihn. So versteckte er sich in einem Fleischfaß, welches in der Gaststätte stand und entkam so den Nachstellungen seiner Frau. Als diese ihn nicht fand, setzte sie ihre Suche weiter fort. Ewald schlich sich auf Umwegen nach Hause. Dort kam er vor seiner Frau an. Er wärmte das Bett an, als ob er schon längere Zeit darin gelegen hätte. Als seine Frau von der Suche endlich erfolglos nach Hause kam, stellte er sie zur Rede, wo sie sich die ganze Nacht rumgetrieben habe.
 
 
      In Mohlsdorf war Kirmes. Die Kirmesstimmung im Gasthof war schon lange in vollem Gange. Ewald Lorenz war von seiner Frau im heutigen Kesslerschen Haus im oberen Stockwerk im Zimmer eingeschlossen worden. Nun war guter Rat teuer. Der Durst und der Stammtisch übten so eine große Kraft aus, daß er sich eine Wäscheleine, die zufällig im Zimmer war, nahm, sie befestigte, um sich damit aus dem Fenster abzuseilen. Als er nun so zwischen den Stockwerken an der Wand hing, entdeckten das Leute, die auf der Dorfstraße unterhalb des Hauses vorbeigingen. Sie dachten, daß in das Haus eingebrochen werden sollte und riefen laut "Einbrecher, Einbrecher". Trotzdem gelangte Ewald zum Kirmesstammtisch im Gasthof.
 
 
      Der Barts Richard und Lorenz Ewald sollten auf dem Haardtberg bei Seidels Villa die beiden Linden am Eingangstor stutzen. Die Äste der Linden reichten fast bis auf die Erde und Fuhrwerke und Passanten waren dadurch behindert. Gesagt, getan. Barts Richard kletterte mit der Säge auf den Baum. Ewald sagte von unten, welchen Ast Richard abschneiden sollte. Dieser setzte sich auf den Ast und schnitt ihn dann neben sich ab. Als sie nun so Ast für Ast abgeschnitten hatten, dachten, daß sie fertig waren, zeigten sie ihr Werk Frau Seidel. Diese fiel aus allen Wolken und jagte beide davon. Die Bäume sahen nun aus wie ein großer Kleiderständer. Die unteren abgeschnittenen Äste waren alle nur noch einen reichlichen halben Meter lange Stümpfe.
 
 
      Es war so um 1954 und 1955, Ewald Lorenz war um die 75-76 Jahre. Seine Frau war schon gestorben und Ewald hatte eine Freundin in Raasdorf. Eines Tages war sein Besuch in Raasdorf bis zu später Nacht ausgedehnt. Als er dann im Stockfinsteren die Raasdorfer Straße nach Mohlsdorf lief, hatte er Angst, überfallen zu werden. So nahm er in die eine Hand eine Taschenlampe und in die andere ein Messer. Er unterhielt sich laut mit sich selbst, als ob drei Mann zu nächtlicher Stunde unterwegs wären und jeden der "einzelnen" mimte er dabei in einem anderen Tonfall. So konnten versteckte Lauscher in der Dunkelheit denken, es kommen drei Wanderer auf der Straße von Raasdorf, die sich laut unterhielten.

Erzählt von Horst Walter und aufgenommen von Gerd Richter am 27.09.2001 in Mohlsdorf