Sagen, Erzählungen und Geschichten die unseren Ort betreffen.

Aus dem Mohlsdorfer Sagen- und Geschichtenbuch (Herausgeber: Heimat- und Geschichtsverein Mohlsdorf 2002)

Der Eisberg


      Der Schabernack unserer Vorfahren ist ja aus vielen Geschichten und Überlieferungen bekannt.
 
      So berichtet ein Artikel der Landeszeitung am 7. Dezember 1895 von einem Vergehen, das durch die Gendarmerie ermittelt und zur Anzeige gebracht wurde.
 
      Da es zu dieser Zeit noch keine Kühlschränke, wie wir sie heute kennen, gab, wurde geeist.
      Ein nicht ganz ungefährlicher Vorgang. Auf Deichen, nach dem die Eisschicht eine ganz beträchtliche Dicke erreicht hatte, und das war nur bei lang anhaltender Kälte in der Winterzeit zu erwarten, wurde Eis geschnitten. Mit Sägen, die an einer langen Stange befestigt waren, ähnlich einer Lanze, schnitt man Eisschollen aus der ganzen Eisfläche des Teiches. Diese Arbeit war nicht ganz gefahrlos, stand man ja manchmal auf solch einer Eisscholle, die ja nicht allzu groß war und nur mit Mühe einen Mann trug. Wenn man nicht vorsichtig genug war, verlor man das Gleichgewicht und fiel ins eisige Wasser.
      Diese Eisschollen wurden dann mit langen Eishaken ans Ufer gezogen und in portionsgroße Stücke geschnitten. Die Eisbrocken wurden in sogenannte Eisschuppen in Holzspäne und Reisig eingepackt gelagert und so wurde Eis für das ganze Jahr aufbewahrt. Aus meiner Kindheit kann ich mich noch erinnern, wenn der Eismann kam und in meiner Nachbarschaft diese zirka einen halben Meter langen Eisstücke lieferte. Er hatte immer einen Sack über der Schulter zu liegen, auf dem er dann das Eisstück vom Fuhrwerk in das Haus trug.
 
      So geschah es also in der Nacht vom Sonnabend zum Sonntag im Dezember 1895 unterhalb von Mohlsdorf, daß "ruchlose Hände" das am Tage geschnittene Eis, welches noch nicht abtransportiert wurde, auf die nahe gelegene Straße schleppten und wie in der Zeitung stand, zu einem für Fuhrwerke und Fußgänger gefährlichen "Aufbau" auftürmten. Man kann sich vorstellen, was für einen Spaß diese Gesellen bei ihrer Beschäftigung hatten und sie dies vielleicht am Stammtisch zuvor in bester Bierlaune absprachen.

Als Ort des Geschehens läßt sich die Verbindungsstraße von Mohlsdorf nach Kahmer, die heutige Hermann-Pampel-Straße und Hupfers Teich vermuten.
Wahrscheinlich wurde hier das Eis für die Gaststätte und Fleischerei "Zum kühlen Morgen" geschnitten.
Gerd Richter