Sagen, Erzählungen und Geschichten die unseren Ort betreffen.

Aus dem Mohlsdorfer Sagen- und Geschichtenbuch (Herausgeber: Heimat- und Geschichtsverein Mohlsdorf 2002)

Der Stammtischaffe


      Wie die Greizer Landeszeitung vom 17. Januar 1890 berichtet, trug sich diese tragisch-komische Geschichte wie folgt zu:
 
      In einer Herrmannsgrüner Restauration, derer gab es ja zu dieser Zeit etliche, ließ sich der Wirt etwas Außergewöhnliches für seine Stammgäste einfallen. Da auch zu jener Zeit schon immer etwas Neues und Außergewöhnliches für mehr Kunden sorgen sollte, schaffte er sich ein kleines Äffchen an. Dieses possierliche Tierchen sollte mit seinen Turnübungen und Sprüngen seine Gäste unterhalten. Einige Zeit ging dies ja auch ganz gut und man freute sich und lachte über das spaßige Äffchen. Nun sprang es aber auf das Fensterbrett und sah sein eigenes Spiegelbild in der Fensterscheibe. Wie erschrak es da. Ob es aber mit seinem Spiegelbild spielen mochte oder vor ihm erschrak, konnte nicht festgestellt werden. Es sprang jedenfalls gegen die Fensterscheibe, die zerbrach in tausend Glasscherben und das Äffchen ins Weite. Dort suchte es seine Zuflucht in einem großen Lindenbaum.
 
      Nun war guter Rat teuer. Kein noch so eifriges Locken und Kosewort war in der Lage, das verängstigte Tier wieder auf die Erde zu locken und einzufangen. Das kleine Äffchen war nun diese eisigen Temperaturen eines Wintertages im Januar nicht gewohnt. Am anderen Morgen fand man das arme Tier unter dem Lindenbaum, die eisige Luft hatte seinem Leben ein Ende gesetzt.

Nach einer alten Zeitungsannonce von Gerd Richter