Sagen, Erzählungen und Geschichten die unseren Ort betreffen.

Aus dem Mohlsdorfer Sagen- und Geschichtenbuch (Herausgeber: Heimat- und Geschichtsverein Mohlsdorf 2002)

Der Stammtisch


      Das Hänseln, das besonders im Mittelalter hier stark verbreitet war, wird auch heute noch geübt. Es blieb dabei meist nicht nur bei Worten, sondern es wurden auch arge Streiche ausgeheckt. Übel genommen wurde nichts und man konnte noch bis um 1925 herum in den Wirtshäusern des Ortes ein Schild auf dem Stammtisch vorfinden, auf dem stand: Hier wird nichts übel genommen. Besonders am Sonnabend konnte man einen gewissen "Stamm" antreffen. Jedes Wirtshaus hatte seinen eigenen Stamm. Jeder "Neue" wurde erst einmal "naufgeschafft", das heißt verhänselt. Bier wurde gewöhnlich nur aus dem "Humpen" oder "Waldhausschnitt" getrunken. Wenn man dann in Stimmung war, wurde die Bütt, so heißt das Faß, mitten auf den Stammtisch gestellt und mit Schläuchen "rausgemacht". Um nicht "kälbern" oder "kotzen" zu müssen, durfte dabei das richtige Essen auch nicht fehlen. Das bestand entweder aus rohem Sauerkraut, das mit viel Senf und Öl angerichtet war oder aus Sülze mit reichlichem "Baumöl", sozusagen Leinöl. War einer "knülle", dann wurde er in die damals übliche Dielendecke gewickelt, auf den Schubkarren geladen und durch den Dorfteich nach Hause gefahren. Gewöhnlich trieb man dabei noch obendrein einen besonderen Schabernack. So wurde einem Vielfraß eine Schüssel Erbsen in die Hosen geschüttet und einem Bärtigen die eine Hälfte des Backenbartes abrasiert. Es kam auch oft vor, daß bei einem ein übler Streich ausgeführt wurde, wenn er im Gasthaus saß und nicht zu Hause war. So wurde bei einem ein Feldhase gestohlen, den er an seinem Hause aufgehängt hatte, abgezogen, sofort gebraten und der Eigentümer wurde dann höflichst zum Mittagessen eingeladen. Als alles verzehrt war, bedankten sich die anderen höflichst bei ihm für den herrlichen Schmaus. Daß zum Schaden bissiger Spott kam, braucht wohl nicht erwähnt zu werden. Einem anderen, der "Lunte" gerochen hatte und seinen Hasen rechtzeitig "in Sicherheit" bringen konnte, kam man dadurch bei, daß man seinen Hasenbraten "versalzte". Man hatte mit feiner Spürnase "ausgeschnüffelt", wann er den Hasen essen wollte. Ein "loser Vogel" war schnell gefunden, der ihn an diesem Tag meistens war das am Sonntag besuchte. Der hatte gar bald verstanden, ihn und seine Frau einmal zu gleicher Zeit "hinauszubugsieren" und schon war's "Heldenstück" vollbracht. Ein Pfund Salz und die wirkungssichere Prise Pfeffer lösten sich wohlgefällig in der guten goldigbraunen "Ditsche" auf.

      Dies sind natürlich "Späße", welche man als Unsitte bezeichnen muß. Auch heute noch wird gehänselt und als Neuling muß man gut aufpassen

Heinz Trommer