Sagen, Erzählungen und Geschichten die unseren Ort betreffen.

Aus dem Mohlsdorfer Sagen- und Geschichtenbuch (Herausgeber: Heimat- und Geschichtsverein Mohlsdorf 2002)

Das Reh ohne Zähne


      Eines abends ging ich hinter Bernhard Hohmuths Gut, ganz hinten am Schwanz, auf den Anstand. Es dunkelte schon ziemlich und der Nebel verschleierte jeden Ausguck. Heute ist es doch nichts, dachte ich für mich, gehst wieder heim. Schon will ich mich aufrichten, da bewegt sich etwas vor mir und wie ich so lug' und äug', erkenne ich ein altes Reh. Flink leg ich an und gerade wie ich abdrücken will, macht es das Maul auf. Da habe ich vor Mitleid die Flinte wieder abgesetzt, denn es war so ein altes Muttertier, das keine Zähne mehr hatte. Wenn ich aber gedacht hatte, dem Reh damit einen Gefallen getan zu haben, so hatte ich mich schwer geirrt, denn am anderen Morgen hatte sich das Reh in Hohmuths Dornenzaun, vor Gram, weil es keine Zähne mehr hatte, aufgehängt.
 
      Und wer kann die Geschichte wohl erzählt haben? Doch nur einer, welcher das Jägerlatein beherrscht.