Sagen, Erzählungen und Geschichten die unseren Ort betreffen.

Aus dem Mohlsdorfer Sagen- und Geschichtenbuch (Herausgeber: Heimat- und Geschichtsverein Mohlsdorf 2002)

Die Enten vom Mohlsdorfer Dorfteich


      Im allgemeinen wird zwar behauptet, die Vogtländer seien sehr wortkarg, schwer zugänglich und manchesmal auch "Außenseiter". Sie kennen nur ihre Arbeit und danebenher gäbe es nicht viel, was ihnen Freude mache. Daß dem nicht so ist, können viele heitere Geschichten, die bis in unsere Tage überliefert sind, obwohl sie lange Zeit zurückliegen, beweisen. So auch solche aus M o h l s d o r f und sie zeigen, daß schon dazumal, obwohl noch viel Armut und Ausbeutung herrschten, unsere Menschen fröhlich, ausgelassen und zu allerlei Streichen aufgelegt waren.
 
      Es gab in Mohlsdorf von einst nicht nur Schulmeister, die Latein verstanden, sondern auch ein Wirt im Ort glaubte es zu können. Nur war da ein kleiner Unterschied: denn bei diesem Wirt war es das "Jägerlatein", das er meisterhaft verstand, denn er galt als passionierter Jäger, wie später auch sein Sohn. Von seinem Jagdglück kann man sich heute noch in der Gaststätte (gen. "Reußischer Hof" überzeugen viele alte Jagdtrophäen hängen hier an den Wänden und geben dem Gastraum seine besondere Note.
 
      Vor der Gaststätte befindet sich ein Teich, der einstmals dreimal so groß war als heute und zum ehemaligen Rittergut Herrmannsgrün gehörte. Um diesen Teich wurde dreißig Jahre hindurch ein harter Prozeß geführt: ob er zum damaligen Rittergut oder zur Gemeinde gehörte... Ja, es kam wegen des Teiches sogar zu üblen Schießereien, zu heimlichem Versetzen von Grenzsteinen und anderen üblen Machenschaften. Schließlich wurde dazumal das Urteil beim Reichsgericht zu Wien gefällt: die Gemeinde verlor den Prozeß und mußte Strafe zahlen!
 
      Eines Tages hatte sich auf der Wasserfläche dieses Teiches ein großer Schwarm von Wildenten niedergelassen. Dies sah der Wirt vom "Reußischen Hof", Knorr's Theodor. Schnell rannte er auf den Boden seines Hauses und holte den schweren Vorderlader. Als er wieder herunterkam, waren zum Glück die wilden Enten noch da und rasch wurde eine Kugel in den Lauf geschoben, auf ein Tierchen gezielt und abgedrückt. Zu seinem großen Erstaunen ging jedoch der Schuß nicht los. Da nahm er die Flinte wieder ab und schaute durch den Lauf hinein. Da sah er gerade noch, wie sich die eingelegte Kugel langsam im Lauf nach oben drehte, darum legte er rasch wieder an. Der Schuß ging nun wirklich los und auf dem Teich lagen f ü n f tote Wildenten!
 
      Leute, die behaupteten, so etwas gäbe es gar nicht, konnten das jedoch nicht beweisen, verstanden sie doch kein "Jägerlatein" wie Knorr's Theodor in Mohlsdorf.

Nacherzählt von Heinz Trommer, Mohlsdorf (Aus einem für Mohlsdorf geplanten "Heimatheft", von Heinz Trommer)