Sagen, Erzählungen und Geschichten die unseren Ort betreffen.

Aus dem Mohlsdorfer Sagen- und Geschichtenbuch (Herausgeber: Heimat- und Geschichtsverein Mohlsdorf 2002)

Dem Friedrich sein großes Geschäft


      In Mohlsdorf gab es nicht nur anständige Bürger, nein, auch Gauner waren darunter, welche versuchten, andere über's Ohr zu hauen. Von solch' einem Gauner ist hier die Rede.
      In unserem Ort gibt es ein Gasthaus "Zum kühlen Morgen", das Geburtshaus des Kunstmalers und Graphikers Prof. Hermann Pampel. Zwei historische alte Holztafeln hängen noch heute an der Hauswand. Kommt man von Greiz und will weiter Richtung Reudnitz, kann man auf der einen Tafel lesen: "Hier gibt es das letzte Greizer Bier!" Kommt man aus Reudnitz und will weiter Richtung Greiz, so kann man auf der anderen Tafel lesen: "Hier gibt es das erste Greizer Bier!" Diese Schilder stammen noch aus der Zeit, in der die Rittergüter ihre eigenen Braurechte hatten und es war eben so, daß im Ort nur Bier ausgeschenkt werden durfte, das im Ort gebraut wurde. Nur der Wirt vom Gasthaus "Zum kühlen Morgen" durfte das Greizer Bier ausschenken.
      Mohlsdorf und Herrmannsgrün hatten zwei verschiedene Gerichtsbarkeiten: die einen von Untergreiz, die anderen von Obergreiz.
      Es war an einem herrlichen, heißen Tag und ich wollte nach Greiz laufen. Damit ich unterwegs nicht gar zu sehr an Durst zu leiden hatte, kehrte ich im "Kühlen Morgen" ein. Nach kurzer Zeit kam der Friedrich herein und setzte sich zu mir. "Na, Friedrich, wo willst du denn hin bei der Hitze?" fragte ich ihn. "Weißt, Heinrich, ich will mal nach Schönfeld zum Daniel, der hat meinen Ochsen gekauft und ich will mal sehen, ob ich mein Geld bekomme!" "Mensch, Friedrich", sagte ich, "wie kannst du deinen Ochsen denn ausgerechnet an den Daniel verkaufen? Du weißt doch ganz genau, daß du von ihm kein Geld bekommst. Der pfeift doch aus dem letzten Loch! Wenn du ja das Geld bekommen solltest, fresse ich einen Besen mit Stiel!" "Ich will dir mal was sagen, Heinrich, mein' Ochs' hätt' ich nirgends los bekommen und dass ich kein Geld bekomme, das weiß ich auch; aber so hoch wie ich mein' Ochs' dem Daniel angedreht habe, hätte ich nirgends bekommen, das kannst du mir ruhig glauben! Komm', wir trinken noch einen Faustpinsel auf das große Geschäft!"
      Und da wird behauptet, in Mohlsdorf gäbe es keine guten Geschäftsleute. Ich selbst hatte ein Zigarrengeschäft; habe mit einer Sorte gehandelt, die ich für einen Groschen eingekauft und mit 9 Pfennig verkauft habe. Ein guter Kunde fragte mich mal wie das käme, dass ich dieselbe Sorte mit 9 Pfennig verkaufe, wo sie doch überall 10 Pfennig kostet. Ja, sagte ich zu ihm, das ist ja mein Schlager, verdienen tu' ich trotzdem, denn bei mir bringt es die Masse.