Sagen, Erzählungen und Geschichten die unseren Ort betreffen.

Aus dem Mohlsdorfer Sagen- und Geschichtenbuch (Herausgeber: Heimat- und Geschichtsverein Mohlsdorf 2002)

Die Heiratsvermittlung


      Ich habe einen Wirt gekannt, dem war die Frau gestorben und er hatte nun die Absicht, wieder zu heiraten. Da kam eines Tages der "Lebers Böttcher" zu dem Wirt und sagte zu ihm: "Du, ich wüßte eine Frau für dich!" Da sagte der Wirt: "Das tät mich sehr freuen, würdest mir einen großen Gefallen damit tun. Wer ist es denn?" Darauf der Lebers Böttcher: "Nun, so schnell geht das auch nicht, ich sage es dir nicht eher, bis du mir 25 Taler für die Vermittlung gibst!" "Die bekommst du, wenn es was d'raus wird", sagte der Wirt. Nach einigem Hin und Her nahm der Lebers Böttcher die Vermittlung auf und ging zu der Auserwählten. Es war die Gneistens Miene; eine verbissene Jumpfer. Als er bei der Miene sein Anliegen vorbrachte, sagte diese: "Laß' mich ja mit dem Saufaus in Ruhe, brauchst dir gar keine Mühe zu geben, den nehme ich nicht. Da müssen ganz andere kommen." Der Brautwerber wollte sich aber die 25 Taler Vermittlungsgebühr nicht entgehen lassen. Zudem war er auch aus hartem Holz geschnitzt, vielleicht lag das auch an seinem Beruf, denn er war ja Böttcher und sagte sich, Beharrlichkeit führt zum Ziel. Nach vielem Hin und Her hat sich die Miene überreden lassen und der Brautwerber hat sich sein "Kuppelgeld" beim Wirt abgeholt. Die Hochzeit wurde mit großem Pomp gefeiert. Aber nachdem die Zeit der wonnetrunkenen Flitterwochen vorbei war, hörte man schon viel Böses von der Miene; sie war sehr herrisch. Um etwas Genaueres zu erfahren, hat der Brautwerber die Wirtsleute besucht und wie er in die Gaststube tritt, merkt er sofort, daß dort "Gewitterschwüle" herrschte. Miene schaute aus der Küche, wollte ja wissen, wer der Gast ist, verschwand aber gleich wieder. Da kam der Wirt selbst, gibt dem Gottlieb die Hand und setzt sich zu ihm an den Tisch. Lebers Gottfried fragte nun, wie es so geht in der neuen Ehe. Da beugte sich der Wirt zu ihm ans Ohr und flüsterte: "Gottlieb, ich geb' dir 50 Taler, nur schaff' mir den Drachen wieder aus dem Haus!"