Sagen, Erzählungen und Geschichten die unseren Ort betreffen.

Aus dem Mohlsdorfer Sagen- und Geschichtenbuch (Herausgeber: Heimat- und Geschichtsverein Mohlsdorf 2002)

Unser Garten


      Meine Eltern besaßen einen Schrebergarten mit einer Holzlaube darauf, die mein Großvater zimmerte. Viel Zeit leisteten sich meine Eltern nicht zum Hinsetzen, aber später, im Alter, da stand eine schöne weiße Bank, von da aus blickte man zu den Hügeln und weiter nach dem Gut von Paul und Pauline. Im Garten wurde Gemüse angebaut und viele Blumen. Ein großer Apfelbaum verleitete mich zum Klettern und darunter war das kleine bißchen Wiese. Stachelbeer- und Johannisbeersträucher forderten zum Naschen auf. Die einzelnen Beete wurden sorgfältig von Brettern getrennt, nur auf diesen durfte man laufen, um zu ernten oder zu pflegen.
      Der Garten wurde später noch erweitert, der daran liegende wurde gekauft mit noch einer Laube darauf. Die alte Laube, wo wir früher bei schlechtem Wetter mit meiner Mutter saßen oder das Gewitter abwarteten, die wurde nun der Schuppen für Gartengeräte. In der anderen war eine schmale Liege, kleines Tischchen und zwei Stühle. Fleißig war ich nicht besonders, sah diese Gartendienste, die ich manchmal leisten mußte, als harte Arbeit an, aber irgendwie war die Umgebung so lebendig und interessant. Felder, Wege, Tiere und sogar ein Schwimmbad. Das nutzte ich natürlich. Mit meinen Freundinnen, später mit Freund, gingen wir zum Garten, zogen uns in der Laube um, der Proviant wurde deponiert, und dann der Trubel im einzigen Schwimmbad weit und breit. Leider konnte und kann ich kaum schwimmen, aber einige Züge oder herumplanschen, das war ein Vergnügen. Vor der alten Laube, auf einem Tischchen, wurde gegessen und nach vorbeigehenden Leuten, aber lieber nach der Natur geschaut. Für meine Eltern war sicher das "Gartengehen" eine Arbeit, aber auch sie fanden das als schönen Ausgleich zu ihrer "lauten Arbeit" in der Weberei. Meine Kinder, die waren immer begeistert von diesem Stück Garten, wo was zum Naschen und zum Angucken war. Ihre Empfindungen können nur sie äußern.
 
      Als meine Eltern schon in den Achtzigern waren, erst da gaben sie den Garten schweren Herzens auf. Für sie war es ein großer Verlust. Der abendliche Spaziergang, der fehlte jetzt, aber sie waren nicht mehr so gut zu Fuß. Noch jetzt schaut man an dem verkauften Garten vorbei. Waltraud

Friederike Rauh geb. Brenner