Sagen, Erzählungen und Geschichten die unseren Ort betreffen.

Aus dem Mohlsdorfer Sagen- und Geschichtenbuch (Herausgeber: Heimat- und Geschichtsverein Mohlsdorf 2002)

Freundinnen hatte ich immer


      Ganz früh, meine Nachbarinnen Helga und Heidi (zogen später in den Westen), wir spielten Puppenhochzeit, ganz großartig im Garten von Heidi. Sogar zu essen gab es. Und später spielten wir richtige Hochzeit, wo ich Braut war und nicht mein Schulfreund Wolfgang, den ich sympathisch fand, sondern wo der Zich meinen Bräutigam spielte. Richtig mit Kleid und Schleier, Brautjungfern, und Wolfgang war der Pfarrer. Die Jungens holten Limonade und wir feierten ein tolles Fest am Wegesrand.
 
      Meine engste Freundin wurde später Gudrun, ein Jahr älter als ich. Wir sangen zusammen, gingen spazieren, besuchten meine Großeltern und wir verreisten sogar zu ihren Verwandten in den Thüringer Wald. Die hatten drei große Jungs und wir fühlten uns beschützt und toll. Interessante Wanderungen zum Inselsberg und zur Wartburg, alles von Bad Thal aus, erweiterten meinen Mohlsdorf-Horizont. Auf unserem Zimmer rauchten wir und erwischten die billigste Sorte wie "Salem" und "Carmen". In den ältesten Jungen, der schon Student der Chemie war, verliebte ich mich etwas. Gudrun hatte ihre Mutter verloren und manchmal weinte sie. Ein Waisenkind jetzt, denn ihr Vater hatte eine andere Frau und kümmerte sich nicht um sie. Meine Mutter unterstützte Gudrun mit hilfreichen Ratschlägen und auch materiellen Dingen. Sie heiratete früh, zog nach Jena, bekam zwei Töchter, wurde später Witwe und heiratete wieder. Irgendwie haben wir uns jetzt im Alter nichts mehr zu sagen.
      In der Schule war Rosemarie meine beste Freundin. Wir saßen zusammen, hatten ähnliche Zensuren und sie ist bis heute die einzige Freundin der Kinderzeit, mit der ich noch Kontakt, sogar sehr engen, habe. Ihre Eltern mußten aus dem Sudetenland auswandern und wurden im Dorf Neubauern. Ein schwerer Anfang, wenn man nichts hatte. Und dann bekamen sie nach dem Krieg auch noch Zwillinge. Meine Mutter nähte für die zwei Mädchen und half so.
      Ihr kleines Bauerngut, was jetzt nur noch wohnlichen Charakter hat, ist idyllisch gelegen, mit Blick auf Berge und Felder. Auch gab es keinen Hofhund, vor dem ich Angst haben mußte. Als Sechzigjährige fuhren wir nach Bulgarien, an den Goldstrand, zwei Freundinnen, die verschiedene Jugenden und Ehen erlebten. Rosemarie war nur kurz verheiratet, hat eine Tochter, aber eine unglückliche Ehe. Ganz allein mit Tochter, aber immer das Elternhaus im Hintergrund, lebte sie, bis sie vor zwanzig Jahren ihren Lebenspartner kennen lernte und sie sich jetzt geborgen fühlen kann. Eine richtige Reisetante ist sie geworden, alles ist möglich. Wir telefonieren häufig, und wenn ich in der Heimat bin, besuchen wir uns manchmal.

Waltraud Friederike Rauh geb. Brenner