Sagen, Erzählungen und Geschichten die unseren Ort betreffen.

Aus dem Mohlsdorfer Sagen- und Geschichtenbuch (Herausgeber: Heimat- und Geschichtsverein Mohlsdorf 2002)

Der Bröckekloß


      "Sitz' net da wie ä Bröckekloß" und "Der Kuhschwanz wackelt a un fällt net runter" waren immer die aufmunternden und trostreichen Worte meiner Großmutter Friederike. Sie blieben mir in Erinnerung, und heute sage ich das oft zu mir selbst.
      Das mit dem Kuhschwanz hieß soviel wie "Alles geht gut, auch wenn's anders aussieht", und das mit dem Bröckekloß heißt "Tu etwas!" und ist mit einem typischen vogtländischen Gericht verbunden, das mir heute noch als kleines Mittagessen oder Abendbrot schmeckt. Und es ist schnell zubereitet:
 
      Man nimmt etwa 4 gekochte es können übriggebliebene sein Kartoffeln pro Person, reibt sie, würzt mit einer Prise Salz und drückt alles fest in einen Tiegel, in dem vorher etwa 20 Gramm Fett, Margarine oder Butter, erhitzt wurde. Das Ganze wird goldgelb gebraten und später auf einen Teller gestürzt, so daß die gebräunte Seite oben liegt, serviert. Feinschmecker bestreichen es noch mit Butter, die in der Wärme leicht zerläuft.
Wie das duftet! Wie das schmeckt! Obwohl Bröckekloß sicherlich ein Arme-Leute-Gericht war.
 
      Großmutter hat sich selbst in ihrem Leben nie schmeißen lassen. Sie ist mir in der Erinnerung geblieben als eine starke Frau, die hart arbeiten mußte, weil sie früh ihren Mann durch den Ersten Weltkrieg verloren hatte. Ein Schicksal, das sich übrigens bei ihrer Tochter, meiner Mutter, 1944 wiederholte. So haben eigentlich nur diese zwei Frauen meine Kindheit und frühe Jugend besonders geprägt:
"Sitz' net da wie ä Bröckekloß, der Kuhschwanz wackelt a un fällt net runner."

Reiner Karg
In:
Margarete Braungart: ‚Und Mutter kocht die Klöß'. Thüringer Heimwehküche. Geschichten, Gerichte und Gedichte. Mit 100 Rezepten. Verlagshaus Thüringen in Verlag und Druckerei Fortschritt Erfurt GmbH, 1993, Seite 27.