Sagen, Erzählungen und Geschichten die unseren Ort betreffen.

Aus dem Mohlsdorfer Sagen- und Geschichtenbuch 2002 / Mohlsdorfer Kalender 2002 (Herausgeber: Heimat- und Geschichtsverein Mohlsdorf)

Als der Ochs geflog´n kam ...


      S´ war an em scheen Tach im Herbst im Jahr 1774. E Bauer hatt sein Ochs auf de Weide gebracht und a eigezeimt. Dor Ochs hatt a genuch ze fressen gefund´n, aber langweilich war´s ihm a eweng. Un su latschter de ganze Zeit vun vurne bis hinne un vun hiem noch driem un guckt durch de Gegnd.
Dor Bauer ging derweil hem und dacht sich, dess der Ochs gut versorcht is. Gemietlich trang er mit seiner Fra Kaffe, ratschte noch eweng mitter rum und ging nach getaner Arbeit ze Bett.
 
Un dor Ochs löft und frisst derweil ...
 
      A beim Schneider zoch langsam de Ruh´ei. Er lechte ne Wamst beiseit, macht e scheens Aambrot und geht a ins Bett aufn Oberbudn.
 
      Un der Ochs ? ... der löft und frist immer nuch.
 
      Midden in der Nacht wird dor Schneider unruhch. Als dor Tach anbrichd, stehter auf und geht in de Küch, weiler was zum Trinken hulen wollt´. Er hat sich ausen Bett gewuchtet und quält sich de Trepp nunner ...
 
      Derweil löft dor Ochs und löft und frisst und latscht auffen klitschign Stee. Ne Ochs ziehts de Bee weg, er fliecht auf Hinnern und rutsch ne Hang dingenunner. Da kanner sich aber a ned halden uner ruschelt weiter auf´s Dach vom Schneider drauf. Aber des Dach kanne Ochs ned aushalden. Es tat en kräftschen Rumms und´s kracht ei. Der Ochs fliecht durchs Dach middn neis Bett. Do lach dor Ochs nu aufn Rickn und de Bee hinge in dor Luft. En klen Dadderich hadder sich dorbei a gehult.
      Er lach wie geprellt do und tat sich ned bewegn. Villeicht hatter sich a im warme Bett racht wuhl gefiehlt, denn stand erscht e ganzes Stickel später widder auf. Dor Schneider hat ne Krach a geheert und is behend aufn Oberbudn gesprunge. Do sinne bal de Aagn rausgeflugn, wieer ne Ochs im Bett gesah hat und des Loch in der Deck. Bis in Himmel kunnt er guggen und ne Himmel mittn Morgnrut bewunnern. Nu sowas ...
      Dor Schneider hat ne Bauer gehult un der had a ned schlecht geguggt, wie sein Ochs im Bett gesah hat. Der Ochs war inzwischn a aufgestandn und hatt sich vom Schreck erhult. Zesamm ham se dann ne Ochs de schmale Stiech nunner ins Haus gezerrt un auf den Schreck glei noch en gehuhm. Gald had dor Schneider ned verlangt fers Ibernachtn, aber des Dach musst dor Bauer scha bezahln.
 
Und die Moral von der G´schicht ?
Wenn de e Haus baust, bau´s solide, es kenn´t a leicht e Ochs draufflieg´n.

Von Katrin Steudel
September 2001
Geschrieben nach einem alten Zeitungsartikel für den Mohlsdorfer Kalender 2002