Sagen, Erzählungen und Geschichten die unseren Ort betreffen.

Aus dem Mohlsdorfer Sagen- und Geschichtenbuch (Herausgeber: Heimat- und Geschichtsverein Mohlsdorf 2002)

Wie man super scharfe Messer über Nacht bekommt

Eine Geschichte, die unser Mohlsdorfer Friedrich Knorr des öfteren in seinem Fleischerladen an den Mann brachte.
 
      Mit Bewunderung betrachteten die Kunden in der Fleischerei von Friedrich Knorr immer wieder wie er mit dem Messer spielend leicht das Fleisch auslöste und zerteilte. Manche Frau, so auch Martha M. fragte Frieder, wie er allgemein genannt wird, wie er solch scharfe Messer bekommt. Da Frieder allgemein ein lustiger und leutseliger Fleischermeister war, und er immer so manchen Ratschlag parat hatte, gab er leise, so dass nur Martha ihn verstehen konnte, folgenden Rat: "Man löse in einem zirka halben Liter lauwarmen Wasser eine gehörige Menge Salz unter gutem Rühren auf. Das alles geschieht in einem möglichst schmalen und hohen Topf. Nun werden die Messer bis an das Heft (Griff) in die Salzlauge gestellt und über Nacht ohne anzurühren stehen gelassen, dann wären die Messer am anderen Morgen scharf."
      Gesagt getan. Die Frau eilte nach Hause. Richtete genau nach diesem Rezept das Salzwasser her und steckte die Messer in der Hoffnung, dass sie sich schärften, in diese Lösung.
      Am nächsten Morgen konnte sie es kaum erwarten, sie nahm ein Messer aus dem Wasser spülte es ab und versuchte zu schneiden. Mit Verwunderung stellte sie fest, dass es genau nicht anders schnitt als wie vor der Prozedur. Nachdem sie ein Messer nach dem anderen ausprobierte und keinen noch so kleinen Erfolg feststellen konnte, fragte sie sich, ob sie einen Fehler gemacht habe.
      Eilens zog sie sich an und ging zum Frieder in die Fleischerei. Dort erzählte sie laut, dass alle, die im Laden waren es hören konnten, was sie nach Frieders Rezept alles getan hatte, und fragte ihn, ob etwas falsch wäre.
      "Nein", sagte darauf Frieder, "du hättest, nachdem das Messer aus dem Wasser genommen war, daran lecken sollen, und so hättest du feststellen können, dass es ganz schön scharf war." Nun merkte Martha, dass sie dem Schalk Frieders auf den Leim gegangen war, und mußte mit den anderen Kunden im Laden über den Spaß lachen.

Anmerkung:
- Der Name Martha ist frei gewählt, sollte er auf irgend jemand zutreffen, so ist dies nicht beabsichtigt.
-"auf den Leim gehen" - eine Redewendung - wer auf den Leim geht, klebt fest, fällt auf manche Sache rein.
- Aufgeschrieben aus der Erinnerung von Gerd Richter