Sagen, Erzählungen und Geschichten die unseren Ort betreffen.

Aus dem Mohlsdorfer Sagen- und Geschichtenbuch (Herausgeber: Heimat- und Geschichtsverein Mohlsdorf 2002)


      In Raasdorf bei Greiz lebte einmal ein Schuhmacher, der als Waldgänger oft seinen Spaziergang von seinem Häuschen oberhalb des Trinteiches über den hinteren Triftweg bis hinauf zur Helhut nahm und über den Knock zurück.
      Eines heißen Sommertages bemerkte er auf dem Heimweg eine Ringelnatter, die zusammengerollt sich von der warmen Mittagssonne bescheinen ließ. Im weiten Umkreis um sie herum lagen viele von dem Otterngezücht. Da wußte er, daß er in den Bannkreis des Otternkönigs geraten war, aus dem zu fliehen so leicht nicht möglich war.
      In seiner Not versuchte er, mit seinem Spazierstock auf die nächstliegende Natter einzuschlagen. Da bäumte sich ihr Schlangenkörper bedrohlich in die Höhe, schnellte in die Luft und genau auf den Schuhmacher zu. Im gleichen Augenblick ließen die Ottern ein unheimliches Pfeif- und Zischkonzert vernehmen und spannten ihren Körper zum Angriff auf den Geängstigten. Da durchbrach er mit einem gewaltigen Sprung den Bannkreis der Schlangen und wandte sich zur Flucht. Es war ihm, als spüre er im Nacken einen kalten Schlangenkörper. Mit knapper Not erreichte er sein Hoftor, verfolgt von dem wütenden Otterngezücht.
      "Ja", sagten die Alten zu Hause, "du hast dich mit deinem Stecken aus dem Bannkreis des Otternkönigs befreien wollen; da rief er sein ganzes Schlangenheer zu Hilfe."

Heinrich Klinger. Greiz-Raasdorf